Inwieweit, bzw. in welcher Form, hatte die Sicht der Gesellschaft Einfluss auf euer Selbstbild in Bezug auf eure Sexualität?
Für mich persönlich bin ich darauf in diesem Beitrag etwas eingegangen.
Fakt ist, sowohl mein nahes Umfeld, als auch “die Gesellschaft” (also Fernsehberichte und spätere Eigenrecherche im Netz) hatten darauf Einfluss. Entscheidend war, dass ich mit dem starken Stigma zuerst, also noch vor der eigentlichen Findungsphase, noch gar nicht in Berührung gekommen bin. Ich hab mich selbst immer als anders und “nicht hineinpassend” empfunden, kam mit Gruppen nicht zurecht und war daher so oder so viel allein mit mir und meinen Gedanken. Für mich selbst war beim Entdecken meiner erstern pädophilen Empfindungen also klar, dass diese bloß zusätzlicher Ausdruck meiner Andersartigkeit sind. Ich habe mich dafür von Beginn an genauso wenig verurteilt, wie für den Rest meiner Eigenschaften, die ich mir nicht ausgesucht hab und mit denen ich ja auch irgendwo angeeckt bin. Ich glaube tatsächlich mittlerweile, dass der Punkt, dass ich eine Frau bin dabei eine eher kleine Rolle gespielt hat. Viel entscheidender war, wie meine Mutter über das Thema gesprochen hat und was ich als Kind aus diesen Fernsehberichten mitgenommen habe.
Das war vielleicht auch der Gund dafür, dass ich in meiner Jugend recht offen damit im Freundeskreis umgegangen bin und auch lange sehr naiv gedacht habe, dass das gar kein so großes, schlimmes Thema ist. Ich habe Dokumentationen und Interviews zu dem Thema gefiltert durch meine Naivität geschaut und das Stigma gar nicht richtig wahrgenommen - und wenn, nicht auf mich bezogen. Im Nachhinein gar nicht das schlechteste, so konnte ich immerhin ein recht positives Weltbild in Bezug auf meine Sexualität aufbauen.