Ursprünglich wollte ich das ja hier posten, aber eigentlich ist das einen eigenen Thread wert.
Ich bin eben auf ein bemerkenswertes Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) e. V. von 1988/1989 gestoßen: https://web.archive.org/web/20140410162832/http://www.ahs-online.de/wb/pages/veroeffentlichungen/sexualitaet-zwischen-kind-und-erwachsenen.php
Dort finden sich einige bezeichnende Zitate:
Alle, die als Erzieher, Sozialarbeiter, Betreuer, Eltern, Wissenschaftler oder Pädophile mit kindlicher Sexualität zu tun haben, werden feststellen, dass Kinder bezüglich ihrer sexuellen Empfindungen und Aktivitäten weder Gut noch Böse kennen, sofern ihnen dies nicht anerzogen wurde
Klar, als Pädophiler ist es ja völlig normal, dass man „mit kindlicher Sexualität“ zu tun hat. Und ja, die AHS meint mit dieser Formulierung Pädophile, die Kinder missbrauchen.
So sind Pädophile im Bewusstsein der Öffentlichkeit Personen, die sich einer Beziehung zu gleichrangigen Älteren nicht gewachsen fühlen und deshalb auf die machtloseren, verfügbareren Kinder ausweichen und diese sexuell ausbeuten.
So sehr sich diese Vorstellungen auf einzelne tatsächliche Vorkommnisse und traumatische Kindheitserlebnisse begründen mögen, und so sehr auch das Ausleben von Macht oder Aggressivität in pädophilen Kontakten eine Rolle spielen kann, so falsch ist es, diese Vorstellungen den pädophilen Menschen allgemein zuzuschreiben. Es soll nicht bestritten werden, dass es Pädophile gibt, die unverantwortlich handeln, die Macht missbrauchen und Gewalt ausüben. Bei einem verantwortlich handelnden Pädophilen, der das Kind achtet, stehen die Anziehungskraft, die manches Mädchen, mancher Junge auf ihn ausübt, und die Zuneigung zum Kind in Wechselwirkung und verhindern einen Machtmissbrauch.
Die AHS sagte also ähnliches, wie wir heute, nämlich dass Pädophile nicht automatisch Missbrauchstäter sind, meinte damit aber etwas völlig anderes: nämlich, dass „einvernehmliche“ Taten durch „verantwortlich handelnde“ Pädophile ja gar keine Gewalttaten seien und völlig zu Unrecht bestraft werden.
Pädophile Menschen sind sehr unterschiedlich. Bei aller Vielfalt treffen aber folgende Aussagen mehr oder weniger stark auf alle pädophilen Männer und Frauen zu: […] Sie haben oder erstreben eine freundschaftliche Beziehung zu Kindern, welche zwar nicht notwendigerweise sexuelle Kontakte beinhaltet, solche aber zumindest nicht ausschließt.
Kein einziger Pädophiler schließt laut AHS also echte sexuelle Kontakte zu Kindern pauschal aus. Alle Pädophile, die Kontakt zu Kindern haben, missbrauchen diese entweder oder würden dies gerne tun. Normalerweise gehören solche Aussagen zu der übelsten Hetze gegen uns, und hier kommen sie direkt von pädophilen Aktivisten, die meinen, damit etwas Positives über Pädophile zu sagen.
Pädophilie ist, wie jede andere erotisch-sexuelle Orientierung, an sich weder eine Krankheit noch eine Perversion noch ein Verbrechen. Pädophilie ist ihrem Wesen nach eine - wenn auch weitgehend missverstandene und daher abgelehnte - zwischenmenschliche Beziehungsform.
Hier dasselbe: grundsätzlich richtige und antistigmatisierende Aussagen wie „Pädophilie ist kein Verbrechen“ werden so gedeutet, dass an Sex mit Kindern grundsätzlich nichts Schlimmes ist.
Ich könnte noch weitere Beispiele nennen, auch von anderen Gruppen und Aktivisten. Über Jahrzehnte hinweg waren solche Botschaften die prominenten Äußerungen von Leuten, die sich selber als pädophil bezeichnet haben. Die AHS hatte zu ihren Glanzzeiten mehr Reichweite und Einfluss als sämtliche Anti-C-Organisationen von heute zusammen genommen. Und auch wenn Pädophilie nie wirklich gesellschaftskonform war, so war das Stigma in den 70ern und 80ern doch deutlich geringer als heute. Damals traten Pro-C Pädophile offen auf politischen Veranstaltungen auf; vor Bundestagsausschüssen wurden Leute eingeladen, die behaupteten, dass Sex mit Kindern keine negativen Folgen habe; offen pädophile Pro-C-Aktivisten konnten (mit Klarnamen) ihre Thesen in renommierten Zeitschriften wie der taz verbreiten; und der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes war gleichzeitig Mitglied in der AHS. All das ist heute unvorstellbar (man stelle sich vor, was los wäre, wenn eine Führungskraft des Kinderschutzbundes heute SuH beitreten würde).
Bei aller berechtigten Wut an dem Stigma müssen wir uns auch eingestehen, dass ein Teil der Ursache dafür ist, dass Menschen, die angaben sich für Pädophile einzusetzen Jahrzehntelang verheerende Botschaften gepredigt habten:
- Wenn Medien heute von „pädophilen Forderungen“ oder (im Bezug auf Missbrauch) von „pädophilen Handlungen“ sprechen, dann auch deshalb, weil das Pro-C-Aktivisten lange Zeit selber so gesagt haben;
- Wenn heute Pädophilie mit Missbrauch gleichgesetzt wird, dann auch, weil Pro-C-Aktivisten diese Gleichsetzung jahrzehntelang verfestigt haben, anstatt dies anzugreifen;
- Wenn uns heute niemand zuhört und unsere Redefreiheit angegriffen wird, dann auch, weil unsere Argumente oberflächlich betrachtet gewisse Ähnlichkeiten mit den Argumantationsstrukturen der Pro-Cs aufweisen.
